Kosmetikstudio eröffnen: Voraussetzungen, Kosten & Ablauf (2026)
Zuletzt aktualisiert: 23.07.2026
Die wichtigste Nachricht zuerst: Du darfst ein Kosmetikstudio ohne Meisterbrief und ohne vorgeschriebene Ausbildung eröffnen. Seit dem 1. Juli 2021 ist Kosmetik ein zulassungsfreies Handwerk (Anlage B, Abschnitt 1 Nr. 56 HwO). Trotzdem gibt es Pflichten, die du kennen musst – von der Handwerkskammer über den Hygieneplan bis zur NiSV. Hier ist der komplette Fahrplan.
Rechtliche Voraussetzungen im Überblick
- Keine Meisterpflicht, keine Pflicht-Ausbildung für klassische Behandlungen (Gesichtsbehandlungen, Maniküre, kosmetische Fußpflege, Waxing, Make-up, Wimpern)
- Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt: 20–60 € je nach Kommune – auch für mobile Tätigkeit und Home-Studios Pflicht
- Handwerkskammer: Als zulassungsfreies Handwerk muss dein Betrieb bei der HWK angezeigt und ins Verzeichnis eingetragen werden; die Mitgliedschaft ist Pflicht (Gründerinnen sind anfangs meist beitragsbefreit oder -ermäßigt)
- Finanzamt: Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER
- Berufsgenossenschaft (BGW): Anmeldung innerhalb einer Woche
Wichtig ist auch die Heilkunde-Grenze: Krankhafte Zustände (eingewachsene Nägel, Fußpilz, Hühneraugen bei Risikopatienten) gehören zu Ärzten, Heilpraktikern oder Podologen – nicht ins Kosmetikstudio.
Hygiene: Was das Gesundheitsamt sehen will
Eine Genehmigung brauchst du nicht – aber Kontrollen sind jederzeit möglich (§ 36 Abs. 2 IfSG). Pflicht ist ein schriftlicher, aktueller Hygieneplan: Händehygiene, Flächendesinfektion, Instrumentenaufbereitung, Abfallentsorgung, Schutzkleidung. Verwende ausschließlich VAH- oder RKI-gelistete Desinfektionsmittel und dokumentiere die Abläufe – bei einer Begehung wird genau danach gefragt.
NiSV: Die Sonderregeln für Geräte-Kosmetik
Wenn du apparativ arbeiten willst, gilt die Verordnung zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NiSV):
- Laser, IPL, Radiofrequenz, bestimmte Ultraschallgeräte: nur mit nachgewiesener Fachkunde – für optische Strahlung 120 Unterrichtseinheiten, Kurskosten ca. 2.300–3.800 €
- Komplett Ärzten vorbehalten (seit 31.12.2020): Tattooentfernung, ablative Laseranwendungen, Behandlung von Gefäß- und Pigmentveränderungen, Fettgewebereduktion (z. B. Kryolipolyse)
Plane die Fachkunde-Kurse früh ein – ohne Zertifikat drohen Bußgelder und der Verlust des Versicherungsschutzes.
Gründungskosten realistisch kalkuliert
| Posten | Spanne |
|---|---|
| Behandlungsgeräte | 3.000–20.000 € |
| Möbel & Einrichtung | 5.000–20.000 € |
| Erstausstattung Produkte | 2.000–5.000 € |
| Umbau, Kaution, Nebenkosten | 3.000–27.500 € |
| Gesamt (stationär) | 10.000–50.000 € |
Laufend kommen dazu: Miete (städtisch 1.500–3.000 €/Monat, ländlich deutlich weniger), Material, Versicherungen (Betriebshaftpflicht ab ca. 75–300 €/Jahr) – und dein Marketing.
Schritt für Schritt zum eigenen Studio
- Konzept & Zielgruppe festlegen (Behandlungen, Preise, Positionierung)
- Standort finden oder Home-Studio planen
- Gewerbe anmelden (20–60 €)
- HWK-Anzeige, Finanzamt-Fragebogen, BGW-Anmeldung
- Hygieneplan erstellen, ggf. NiSV-Fachkunde buchen
- Versicherungen abschließen (Betriebshaftpflicht zuerst)
- Einrichtung, Geräte, Produkte beschaffen
- Preisliste kalkulieren – nicht zu günstig starten
- Sichtbarkeit aufbauen: Google-Unternehmensprofil, eigene Website mit Online-Buchung, ggf. Terminbuchungssystem
- Eröffnung planen – mit Aktion für die ersten Bewertungen
Der am meisten unterschätzte Punkt: Kundengewinnung ab Tag 1
Die meisten Gründerinnen planen Geräte und Einrichtung perfekt – und wundern sich nach der Eröffnung über einen leeren Kalender. Sichtbarkeit braucht Vorlauf: Ein Google-Unternehmensprofil und eine buchbare Website sollten vor der Eröffnung stehen, nicht Monate danach. Wer bei „Kosmetikstudio + deine Stadt“ gefunden wird, startet mit vollem Terminkalender statt mit Flyer-Verteilen.
Häufige Fragen
Brauche ich eine Ausbildung oder einen Meister, um ein Kosmetikstudio zu eröffnen?+
Nein. Kosmetiker/in ist seit Juli 2021 ein zulassungsfreies Handwerk (Anlage B HwO) – keine Meisterpflicht, keine vorgeschriebene Ausbildung für klassische Behandlungen. Eine fundierte Ausbildung wird trotzdem dringend empfohlen: für Qualität, Versicherbarkeit und Vertrauen.
Was kostet die Eröffnung eines Kosmetikstudios?+
Realistisch 10.000–50.000 € Gesamtinvestition für ein stationäres Studio: Geräte 3.000–20.000 €, Einrichtung 5.000–20.000 €, Erstausstattung Produkte 2.000–5.000 €, dazu Umbau, Kaution und Marketing. Ein Home-Studio geht deutlich günstiger.
Muss ich mein Kosmetikstudio beim Gesundheitsamt anmelden?+
Eine separate Genehmigung ist nicht nötig – aber das Gesundheitsamt darf dein Studio nach § 36 Abs. 2 Infektionsschutzgesetz jederzeit kontrollieren. Pflicht ist ein schriftlicher, aktueller Hygieneplan mit VAH- oder RKI-gelisteten Desinfektionsmitteln.
Darf ich Laser-, IPL- oder Ultraschallbehandlungen anbieten?+
Nur mit NiSV-Fachkunde: Für optische Strahlung (Laser/IPL) sind 120 Unterrichtseinheiten Pflicht (Kurskosten ca. 2.300–3.800 €). Tattooentfernung, ablative Laser, Kryolipolyse & Co. sind seit Ende 2020 komplett Ärzten vorbehalten.
Welche Versicherungen brauche ich?+
Unverzichtbar ist die Betriebshaftpflicht (ab ca. 75–300 €/Jahr) – sie deckt Behandlungsschäden. Dazu sinnvoll: Inventarversicherung, ggf. Betriebsunterbrechung; die Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft (BGW) ist Pflicht.
Muss ich Umsatzsteuer zahlen?+
Als Kleinunternehmerin nicht, solange du unter den Grenzen bleibst: seit 1.1.2025 max. 25.000 € Vorjahresumsatz und 100.000 € im laufenden Jahr. Darüber gilt Regelbesteuerung mit 19 % USt.